Von wegen bedeutungslos: Rb-stürmer Yussuf Poulsen ist heiß auf Sporting
RB-stürmer Yussuf Poulsen vor dem Mittwoch-spiel
in der Königsklasse gegen Sporting Lissabon.
FOTO: ROGER PETZSCHE
Bundesligist RB Leipzig will mit seinem dänischen Nationalspieler beim heimischen Champions Leagueabschied nicht nur seine Einnahmen aufbessern. Es geht am heutigen Mittwoch (18.45 Uhr) um mehr.
"Es geht um das Gefühl, erfolgreich zu sein,
egal ob wir ausgeschieden sind oder nicht."
- Yussuf Poulsen, Stürmer von RB
22 Jan 2025 - Leipziger Volkszeitung
Von Benjamin Post
Wie wertvoll ein Tor hier und dort im Fußball-business wirklich ist, darüber lässt sich herrlich philosophieren. Jüngst hätte ein Tor für RB Leipzig beim Stand von 3:3 in der Bundesliga in Bochum kurzfristig zumindest eine balsamartige Wirkung gehabt, langfristig gesehen wäre es sogar ein Millionen-ding (Stichwort Champions Leaguequalifikation). Es ist nie ausgeschlossen, dass ein Tor oder zwei Punkte fehlen, die es für die Endabrechnung braucht.
Yussuf Poulsen rutschte in der letzten Minute der Nachspielzeit am vergangenen Samstag buchstäblich daran vorbei in Bochum, seine 1,92 Meter lagen am Ende am Boden. An diesem Dienstag am sogenannten „Matchday minus 1“saß Poulsen wieder unverrückbar am Cottaweg auf dem Podest.
Vor und hinter ihm prangte das Champions-league-logo. Ausnahmsweise saß der 30-Jährige. Poulsen läuft, sprintet, ackert wieder gegen Sporting Lissabon an diesem Mittwoch (18.45 Uhr) in der Red Bull Arena im letzten Saison-heimspiel der Königsklasse, deren K.o.-phase definitiv ohne die Sachsen stattfindet.
Wenn Tore Geld bringen:
2,1 Millionen sind möglich
Irgendwas fehlte in den bisherigen sechs Partien immer wieder zu wenigstens einem Punkt in diesem hochherrschaftlichen Wettbewerb – meist fehlten Tore. Ein wertvolles Gut. Trifft sich die europäische Beletage im heimeligen Leipzig, ist es auch wieder eine Chance für Poulsen und Co.! Für die punktlosen Leipziger geht’s – wie eigentlich immer im (Profi-)sport – neben Ehre und Ansehen noch um Einnahmen. So ist das auch vor Spiel sieben in dieser Runde.
In der neuartigen Ligaphase der Königsklasse wird jeder Sieg mit 2,1 Millionen Euro und jedes Remis mit 700.000 Euro „vergoldet“. Geld aufs Konto, Gemüter beruhigen – auch ein vermeintlich wertloses Champions-league-spiel kann ein wirksames Mittel sein.
Finanziell wird richtig abgerechnet, wenn das Endklassement der 36-Mannschaften-tabelle steht. Jeder bessere Platz freut den Kontostand (kennt man von der Bundesliga und der Tv-gelder-verteilung). Die elf Millionen aus der Champions League, die es nach einem vielleicht entscheidenden Tor für den Einzug ins Achtelfinale gegeben hätte, winken höchstens noch dem aussichtsreichen Sporting.
Yussuf Poulsen:
„Die Motivation ist sehr hoch“
Doch der dänische Nationalstürmer schickte bei der Pressekonferenz vor dem Spiel voraus: „Ich will immer gewinnen, allen meinen Kollegen geht es genauso. Es geht um das Gefühl, erfolgreich zu sein, egal ob wir ausgeschieden sind oder nicht. Die Motivation ist sehr hoch.“
Poulsens Wirkungskreis zog sich über sieben Champions-leaguesaisons. Mit 40 Spielen avancierte das Klub-urgestein zum Rekordfeldspieler in diesem Wettbewerb. Allerdings: Sein letzter Treffer liegt über vier Jahre zurück – beim 4:3Sieg bei Basaksehir Istanbul. Es war sein einziger. Mit seiner athletischen Spielweise beschert er Situationen, die in Tore münden – wie seine fünf Vorlagen beweisen.
Nach Porto und Benfica der
nächste Top-klub aus Portugal
Jetzt also Sporting – im Dreiklang der portugiesischen Top-klubs macht Poulsen seine Sammlung voll, stand schon bei den Duellen gegen Benfica Lissabon (2019) und FC Porto (2017) auf dem Rasen, auf dem sich hochgradige Millionenduelle abspielen. Unter anderem mit Morten Hjulmand, Fixpunkt bei Sporting, als Kapitän und meist alleiniger Sechser, Poulsens Nationalmannschaftskollege: „Ein guter Spieler.“
Poulsens 17 Minuten in Bochum waren wieder einmal der Anfang des zuletzt verletzungsgeplagten Wahl-leipzigers. Die kompletten 90 Minuten beim heimischen Champions-league-abschied werden es im Rahmen der Belastungssteuerung nicht sein. „Die paar Minuten in Bochum fand ich ganz ordentlich, er hat uns noch was gegeben. Es wäre schön gewesen, wenn er das Ding über die Linie gedrückt hätte kurz vor Schluss“, befand sein Trainer Marco Rose. „Wir haben in unserer Situation nichts zu verschenken. Es geht darum, Ergebnisse zu holen. Wir wollen ein gutes Spiel machen und uns über Ergebnisse Selbstvertrauen holen.“
Spielzeit lässt sich noch besser planen als das passende Ergebnis. „Yussi wird sicherlich Einsatzzeit bekommen, aber auch da müssen wir gucken, dass wir ihn aufbauen“, meinte der Coach. Die Torejagd endet schließlich nicht Ende Januar mit der Königsklasse. Für Sporting sagt Poulsen: „Ich bin bereit.“
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Helfer aus Magdeburg im Stadion
Dank an Einsatzkräfte für ihre Arbeit nach dem Anschlag
Während RB Leipzig am 20. Dezember beim FC Bayern München antrat, spielten sich in Magdeburg schreckliche Szenen ab. Bei einem Anschlag auf den dortigen Weihnachtsmarkt kamen sechs Menschen ums Leben, fast 300 wurden teilweise lebensbedrohlich verletzt. Hunderte Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten arbeiteten über Stunden unermüdlich.
Als die Nachricht vom Geschehen in der Bördestadt nach München durchdrang, geriet das Geschehen auf dem Platz (RB verlor 1:5) zur Nebensache. „Wir spielen hier Fußball, dann kommst du in die Kabine und kriegst so eine Nachricht. Es geht auch um Menschenleben. Das ist schwer zu fassen, schwer zu greifen“, sagte Rbcoach Marco Rose nach Abpfiff. „Leider müssen wir inzwischen in größeren Abständen mit solchen Themen umgehen. Es gibt in unserer Gesellschaft wichtigere Dinge als Fußball.“Noch in der Nacht brachten Fans des Bundesligisten an einer der Brücken an der Red-bull-arena ein Banner an. „In stillem Gedenken an die Opfer des Anschlags in Magdeburg“, war darauf zu lesen.
Heute nun werden Magdeburger Einsatzkräfte auf Einladung von RB im Stadion zu Gast sein, wenn die Roten Bullen in der Champions League Sporting Lissabon empfangen (Anpfiff 18.45 Uhr). Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Clubs haben Freunde, Verwandte und Bekannte in Magdeburg. So entstand die Idee, Helferinnen und Helfer des 20. Dezember zu einer Partie nach Leipzig einzuladen. Die Stadt half bei der Kontaktaufnahme. Auch Zweitligist 1. FC Magdeburg wurde vorab informiert. Die Einladung erfolgte schließlich über das Magdeburger Rathaus und wurde von dort an Institutionen wie die Magdeburger Uniklinik weitergeleitet.
Antje Henselin-Rudolph
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