Die Aura des Unbezwingbaren schwindet – «Dieser Hype interessierte mich nie»


Foto: Freshfocus Marvin Keller sagt, ein Wechsel 
interessiere ihn nicht. Angebote werden aber kommen.

22 Jan 2026 - Berner Zeitung (Stadt)
Gregory von Ballmoos

Er ist ehrgeizig, selbstkritisch und mit 23 Jahren schon im Mannschaftsrat. Doch zuletzt stagnierte seine Entwicklung. Warum das YB-Goalie Trainer Christoph Born nicht beunruhigt.

Wer Kellers Geschichte kennt und seinen Weg verfolgt hat, weiss, dass ein Wechsel Thema sein wird.

Der Flieger ins Trainingslager hat Kloten kaum verlassen, da steht Philipp Bowald auf und setzt sich zu Marvin Keller. Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei den Grasshoppers und dem FC Wil. Jetzt sehen sie sich wieder im ungezwungenen Rahmen und tauschen sich lange aus.

Bowald ist Goalietrainer beim FC Winterthur, der Club ist gemeinsam mit den Young Boys und dem FC Aarau in der Winterpause in die Türkei geflogen. Die Nähe von Bowald zu Keller ist auch in Winterthur Thema, FCWGoalie Stefanos Kapino foppt ihn deswegen immer wieder.

Die Anekdoten sagen aber mindestens so viel über Marvin Keller aus. Der 23-Jährige kommt gut an, verbrannte Erde hinterlässt er nicht. Nicht, als er von Wil zu YB wechselte, auch nicht, als er in Winterthur den dortigen Publikumsliebling Markus Kuster auf die Bank verdrängte. Nicht einmal, als er im letzten Winter im Berner Tor Clublegende David von Ballmoos ablöste.

Seither ist Keller die Nummer 1 bei YB. Er zeigte ein sehr gutes erstes Halbjahr, doch im Herbst stagnierte seine Entwicklung etwas. YB-Goalietrainer Christoph Born sagt: «Es trifft zu, dass Marvin in der letztjährigen Rückrunde mehr matchentscheidende Paraden gezeigt hat als in dieser Vorrunde.» Keller sei in einer Phase, in der nicht alles optimal laufe.

Doch das interessiert den Goalietrainer nur bedingt, er sieht dies als Teil des Prozesses. Viel wichtiger als die viel umjubelten «Big Saves» sind Born die Basics, also die Fangtechnik, das Fussspiel und die taktischen Entscheidungen, sowie die Entwicklung seines Schützlings. Da ist er zufrieden. Die Young Boys bekommen in dieser Saison aber zu viele Gegentore und holen zu wenige Punkte.

Es ist nicht so, dass Keller dafür verantwortlich wäre – er ist der Beste in der YB-Defensive. Aber er ist ein Teil davon. Und die Aura des Unbezwingbaren ist ihm zuletzt abhandengekommen. In den ersten 20 Runden hat nur Winterthurs Kapino noch mehr Gegentore kassiert. Auch in anderen Statistiken ist Keller nicht mehr top. Der Hype um den jungen Goalie scheint abgeflacht. Keller sagt: «Dieser Hype interessierte mich nie.» Born sagt: «Es gehört dazu, dass es zwischendurch stockt.»

Angenehm ist das nicht. An der Goalie-Hierarchie rütteln die YB-Verantwortlichen aber nicht. Heinz Lindner ist als klare Nummer 2 gekommen, um Keller in seiner Entwicklung zu unterstützen. So sagt er das selbst.

Born kennt den Goalie, seit dieser neunjährig ist Trotz der vielen Gegentore gilt Keller als möglicher Nachfolger von Gregor Kobel im Tor der Nationalmannschaft. Bereits letzten Sommer stand ein Auslandstransfer im Raum, Ende Saison dürfte es so weit sein. Auch wenn Keller sagt: «Für mich hat das, Stand jetzt, überhaupt keine Priorität.» Er fühle sich wohl in Bern und wolle hier Erfolg haben. «Es wäre völlig falsch, jetzt daran zu denken.»

Wer aber Kellers Geschichte kennt und seinen Weg verfolgt hat, weiss, dass ein Wechsel Thema sein wird. Kellers Karriere ist sorgfältig geplant: Schon als kleiner Bub hechtete Marvin Keller auf seinem Bett herum, später war er Junior bei GC, spielte in Wil Challenge League, ging leihweise nach Winterthur und wird mit 22 Jahren Stammgoalie beim nominell besten Team der Schweiz. Auffällig: Keller nahm einen Schritt nach dem anderen – und schaute, dass er zu Spielzeit kam.

Immer irgendwie dabei: Christoph Born.

Er ist dabei, als Keller mit gerade mal neun Jahren regelmässig das GC-Training verfolgt, weil sein Vater damals im Vorstand war. Er ist dabei, als Keller im Mai 2023 in der Super League debütiert. Er ist da, als Keller in Istanbul zu seiner Premiere in der Champions League kommt.

Und er ist auch da, als mit den Eltern von Keller die optimale Schullösung für Marvin diskutiert wird.

«Marvin hat schon früh gewusst, was er will und wohin er will», sagt Born. Er ist in der Karriere von Keller Trainer, Unterstützer und Leitplanke zugleich. Falls Keller den richtigen Weg verlassen würde, würde er ihn wieder in die Spur bringen.

Nötig war das noch nie. «Marvin ist sehr vorbildlich, sehr engagiert, offen für Neues und sehr selbstkritisch. Er hat die besten

Voraussetzungen, eine sehr gute Karriere zu machen», sagt Born. Keller steht nach dem Spiel schon mal beim Interview und nimmt die Schuld direkt auf sich. Er hat für einen 23-Jährigen eine fast unheimliche Souveränität. Das Reden vor der Kamera liegt ihm. Seine Aussagen schliesst er gern mit dem Satz ab: «Das ist gar keine Diskussion.»

Keller vereint Selbstkritik und Selbstvertrauen

Doch der Goalie ist nicht nur selbstkritisch. Nach der Niederlage gegen Lausanne etwa sagte er: «Es liegt an allen Spielern, keine unnötigen Fehler zu machen.» Es ist eine typische Aussage für Keller. Bereits kurz nach dem Spiel benennt er auch die kritischen Punkte mit einer beeindruckenden Klarheit.

Diese Klarheit und die ehrliche Selbsteinschätzung sind zwei seiner prägenden Charakterzüge. Der dritte auffällige Charakterzug an Keller ist sein unerschütterliches Selbstvertrauen.

- Woher kommt das? 

«So bin ich einfach», sagt Keller. Er strebt nach mehr. Immer. Born erzählt: «Er hatte schon früh das Gefühl: ‹Ich kann mehr Einfluss nehmen in der Garderobe.› Das war richtig, aber es ist immer eine Frage des Zeitpunkts. Zuerst kommt immer die Leistung, dann der Einfluss.» Born bremste ihn damals, Keller brachte die Leistung und gehört seit diesem Winter dem Mannschaftsrat an.

- Europa League als Sprungbrett für Keller?

Leistung bringen und Einfluss nehmen muss Keller auch am Donnerstag (18.45 Uhr). Mit Lyon kommt der Leader der Europa League nach Bern. «Als junger Spieler freut man sich immer auf diese Spiele, und es ist auch eine gute Plattform, um sich mit den Besten zu messen», sagt Keller.

Es ist aber auch eine gute Plattform für den nächsten Karriereschritt. In der Europa League ist die Aufmerksamkeit grösser. Dann würde Marvin Keller wohl nicht mehr im selben Flugzeug wie der FC Winterthur reisen.

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Gregory von Ballmoos ist Sportredaktor. 
Er hat die Diplomausbildung am Medienausbildungszentrum (MAZ) absolviert und schreibt hauptsächlich über die Young Boys.

Expertise & Hintergrund

Gregory von Ballmoos startete seine journalistische Karriere während den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit einem Praktikum auf der Sportredaktion des Landboten in Winterthur, dorthin ist er nach dem Aufstieg des FCW teilweise und im Sommer 2023 komplett zurückgekehrt. Seit 2025 schreibt er über YB.

2019 schloss Gregory von Ballmoos die Diplomausbildung am Medienausbildungszentrum in Luzern ab. Schwerpunkt seiner Berichterstattung sind die Young Boys, daneben schreibt er auch über Radsport und Handball.

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Foto: Freshfocus - Marvin Keller dice che un 
trasferimento non gli interessa. Ma le offerte arriveranno.

L'aura dell'invincibile svanisce – 
«Questo clamore non mi ha mai interessato»

22 gennaio 2026 - Berner Zeitung (città)
Gregory von Ballmoos

È ambizioso, autocritico e, a soli 23 anni, già membro del consiglio della squadra. Ma ultimamente la sua crescita ha subito una battuta d'arresto. Perché questo non preoccupa l'allenatore dei portieri dello YB, Christoph Born.

Chi conosce la storia di Keller e ne ha seguito il percorso sa che un cambiamento è nell'aria.

L'aereo per il ritiro non ha ancora lasciato Kloten che Philipp Bowald si alza e si siede accanto a Marvin Keller. I due si conoscono dai tempi in cui giocavano insieme nel Grasshoppers e nel Wil. Ora si ritrovano in un contesto informale e chiacchierano a lungo. 

Bowald è allenatore dei portieri del Winterthur, il club che insieme con lo Young Boys e l'Aarau è volato in Turchia durante la pausa invernale. La vicinanza di Bowald a Keller è argomento di discussione anche al Winterthur, tanto che il portiere del Winterthur, Stefanos Kapino, lo prende spesso in giro per questo.

Ma gli aneddoti dicono almeno altrettanto su Marvin Keller. Il 23enne è benvoluto, non lascia terra bruciata dietro di sé. Né quando è passato dal Wil allo YB, né quando al Winterthur ha relegato in panchina Markus Kuster, beniamino del pubblico locale. Nemmeno quando lo scorso inverno ha sostituito nella porta del Berna la leggenda del club, David von Ballmoos.

Da allora Keller è il numero 1 dello YB. Ha disputato un ottimo primo semestre, ma in autunno la sua crescita ha subito una leggera battuta d'arresto. Christoph Born, allenatore dei portieri dello YB, afferma: «È vero che Marvin ha effettuato più parate decisive nella seconda parte della scorsa stagione rispetto a quella attuale». Keller sta attraversando una fase in cui non tutto funziona alla perfezione.

Ma questo interessa solo in parte all'allenatore dei portieri, che ne considera parte del processo. Per Born, molto più importanti delle tanto acclamate «grandi parate» sono le basi, ovvero la tecnica di presa, il gioco di piedi e le decisioni tattiche, nonché la crescita del suo pupillo. Da questo punto di vista è soddisfatto. Tuttavia, in questa stagione lo Young Boys subisce troppi gol e conquista troppo pochi punti.

Non è che Keller ne sia responsabile: è il migliore nella difesa dello YB. Ma ne fa parte. E ultimamente ha perso la sua aura di imbattibilità. Nelle prime 20 giornate solo Kapino del Winterthur ha subito più gol. Anche in altre statistiche Keller non è più al top. L'entusiasmo per il giovane portiere sembra essersi affievolito. Keller dice: «Questo entusiasmo non mi ha mai interessato». Born dice: «È normale che ogni tanto ci sia una battuta d'arresto».

Non è piacevole. Tuttavia, i responsabili dello YB non mettono in discussione la gerarchia dei portieri. Heinz Lindner è arrivato come chiaro numero due per sostenere Keller nel suo sviluppo. È lui stesso a dirlo.

Born conosce il portiere da quando aveva nove anni 

Nonostante i numerosi gol subiti, Keller è considerato il possibile successore di Gregor Kobel in porta per la nazionale. Già la scorsa estate si parlava di un trasferimento all'estero, che dovrebbe concretizzarsi alla fine della stagione. Anche se Keller afferma: «Per me, allo stato attuale, non è una priorità». Si trova bene a Berna e vuole avere successo qui. «Sarebbe del tutto sbagliato pensarci adesso».

Ma chi conosce la storia di Keller e ne ha seguito il percorso sa che un trasferimento sarà all'ordine del giorno. La carriera di Keller è stata pianificata con cura: già da bambino Marvin Keller si tuffava sul suo letto, poi è diventato junior al Grasshoppers, ha giocato in Challenge League al Wil, è stato ceduto in prestito al Winterthur e a 22 anni è diventato il portiere titolare della squadra nominalmente migliore della Svizzera. Ciò che colpisce è che Keller ha fatto un passo dopo l'altro, assicurandosi di avere sempre minutaggio in campo.

Sempre presente in qualche modo: Christoph Born.

È presente quando Keller, all'età di soli nove anni, segue regolarmente gli allenamenti del Grasshoppers, perché suo padre all'epoca era membro del consiglio direttivo. È presente quando Keller debutta in Super League nel maggio 2023. È presente quando Keller fa il suo esordio in Champions League a Istanbul. Ed è presente anche quando si discute con i genitori di Keller della soluzione scolastica ottimale per Marvin.

«Marvin ha capito presto che cosa voleva e dove voleva arrivare», dice Born. Nella carriera di Keller è allo stesso tempo allenatore, sostenitore e guida. Se Keller avesse perso la strada giusta, lo avrebbe riportato sulla retta via. Ma non è mai stato necessario. «Marvin è sempre esemplare, molto impegnato, aperto alle novità e parecchio autocritico. Ha tutte le carte in regola per fare un'ottima carriera», afferma Born. 

Dopo la partita, Keller si presenta all'intervista e si assume direttamente la responsabilità della sconfitta. Per un ventitreenne ha una sicurezza quasi inquietante. Parlare davanti la telecamera gli riesce bene. Gli piace concludere le sue dichiarazioni con la frase: «Non c'è nemmeno da discuterne».

Keller unisce autocritica e fiducia in se stesso

Ma il portiere non è solo autocritico. Dopo la sconfitta contro il Losanna, ad esempio, ha detto: «Spetta a tutti noi giocatori non commettere errori inutili». È una dichiarazione tipica di Keller. Poco dopo la partita, individua i punti critici con impressionante chiarezza.

Questa lucidità e l'onesta autocritica sono due dei tratti distintivi del suo carattere. Il terzo tratto caratteriale che colpisce di Keller è la sua incrollabile fiducia in se stesso.

Da dove deriva? 

«Sono fatto così», dice Keller. Lui punta sempre più in alto. Born racconta: «Già da subito aveva la sensazione di poter esercitare una maggiore influenza nello spogliatoio. Aveva ragione, ma è sempre una questione di tempismo. Prima viene sempre la prestazione, poi l'influenza». All'epoca Born lo frenò, Keller diede il meglio di sé e da quest'inverno fa parte del consiglio della squadra.

- L'Europa League come trampolino di lancio per Keller?

Keller dovrà dare il meglio di sé e esercitare la sua influenza anche giovedì (alle 18:45). Il Lione, capolista dell'Europa League, arriva a Berna. «Da giovane giocatore non vedi l'ora che arrivino queste partite, che sono anche un'ottima piattaforma per misurarsi con i migliori», afferma Keller.

Ma è anche un'ottima piattaforma per il prossimo passo nella carriera. In Europa League l'attenzione è maggiore. A quel punto Marvin Keller non viaggerebbe più sullo stesso aereo del Winterthur.

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Gregory von Ballmoos è redattore sportivo.

Ha conseguito il diploma presso il Centro di formazione mediatica (MAZ) e scrive principalmente dello Young Boys.

Competenze e background

Gregory von Ballmoos ha iniziato la sua carriera giornalistica durante le Olimpiadi di Rio de Janeiro (2016) con uno stage nella redazione sportiva del Landbote di Winterthur, dove è tornato part time dopo la promozione dell'FCW e a tempo pieno nell'estate del 2023. Dal 2025 scrive dello YB.

Nel 2019 Gregory von Ballmoos ha completato la formazione per diplomarsi presso il Centro di formazione mediatica di Lucerna. Il suo lavoro giornalistico si concentra sullo Young Boys, ma scrive anche di ciclismo e pallamano.
@GvonBallmoos

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