„Finstere Mächte“
19 Jan 2026 - Frankfurter Allgemeine Zeitung
Von Daniel Theweleit
Die Kräfte finsterer Mächte waren bereits vor der Partie von borussia Dortmund gegen den FC St. Pauli ein Thema, als Hans-Joachim Watzke einen besonders prominenten Tagesgast ehrte. inmitten der unruhigen weltpolitischen großwetterlage besuchte Friedrich Merz erstmals seit seiner Wahl zum bundeskanzler ein Spiel der Fußballbundesliga, nachdem ihm zuvor in Dortmund eine ganz besondere Ehre zuteil geworden war. Merz hatte den „großen Stutenkerl 2026“erhalten, die höchste auszeichnung des bäckereiinnungsverbandes West.
So ein Stutenkerl wird in anderen regionen als Weckmann bezeichnet. Die Laudatio hielt Watzke, der Merz seit gemeinsamen Tagen in der Jungen union Sauerland kennt: „Von daher haben wir uns immer unterstützt. ich ihn auch nachher gegen finstere Mächte in der CDU. ich nenne jetzt keine namen, aber insider wissen, wen ich meine“, sagte der Präsident des BVB.
Anschließend saßen die beiden gemeinsam auf der Tribüne des Stadions, wo sie eine fußballerisch nicht vollständig „finstere“, aber mindestens „dämmrige“Leistung von borussia Dortmund sahen. Merz mit bVb-Schal und erkennbar freudlos, jedenfalls bis die finsteren Kräfte des Fußballs eingriffen. Kräfte, die selbstverständlich nichts mit angela Merkel und den anderen Vertretern der in Watzkes augen zwischenzeitlich links vom richtigen Weg verirrten CDu am Hut haben.
Tief in der nachspielzeit verhängte der Var im Kölner Keller einen Elfmeter für den BVB, der zum Siegtreffer und zu einer herrlichen Explosion der gefühle führte. grundlage waren mutmaßlich Kameraeinstellungen, die aber unveröffentlicht blieben. Die im TV gezeigten bilder gaben nicht eindeutig aufschluss über die Frage, ob das Foul von ricky-Jade Jones an Maximilian beier innerhalb oder außerhalb des Strafraums stattgefunden hatte. St. Paulis Trainer alexander blessin sagte: „ich habe keine Kameraeinstellung gesehen, die das so belegen kann und deswegen schmeckt es umso weniger.“
Merz, Watzke und der Mehrheit der rund 81.000 Zuschauer hat das Dortmunder Siegtor in der sechsten Minute der nachspielzeit dafür besser gemundet als jeder Stutenkerl. Die geschichte von den finsteren Mächten ist also eine ansichtssache. Jedenfalls in der Welt des Fußballs, wo der Weltverbandspräsident gianni infantino glaubt, Donald Trump sei ein Friedensengel. bei den Christdemokraten sei die Sache hingegen eindeutig. Da täusche sich der Fußballfunktionär Watzke, erklärte Merz augenzwinkernd: „ich muss es mit Empörung zurückweisen, dass es in meiner Partei finstere Mächte gibt. So etwas gibt es in der CDu Deutschlands nicht.“Vielleicht sollten mal ein paar CDu-Leute im Kölner Keller anfangen.
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