Dortmunder Balanceakt
Platz zwei und doch fragil: Borussia Dortmund sucht nach der nächsten Leistungsstufe. Über die Frage, wie die erreicht werden soll, wird so offen diskutiert wie lange nicht. Wie viel Raum finden die Ideen von Matthias Sammer in diesen Plänen?
9 gen 2026 - Frankfurter Allgemeine Zeitung
Von Daniel Theweleit, Dortmund
Platz zwei und doch fragil: Borussia Dortmund sucht nach der nächsten Leistungsstufe. Die Diskussionen sind groß. Zu den meistgebrauchten Floskeln im Fußball zählt das Bild von der „Momentaufnahme“, mit dem eigentlich eine akute Verführungsgefahr bekämpft werden soll. Sportler, die im bequemen Gefühl einer guten Ausgangsposition ein klein wenig nachlassen, haben schon oft die nächste Niederlage eingeleitet. Bei Borussia Dortmund hingegen sind die entspannenden Kräfte eines angenehmen Moments während der zurückliegenden Winterwochen in vollen Zügen ausgekostet worden. Kaum ein Gespräch während des Trainingslagers in Marbella endet ohne den Hinweis auf Platz zwei im Tableau, auf dem das Team den Jahreswechsel beging. Der Blick auf die Tabelle tut einfach zu gut nach einem Spätherbst der Konflikte. „Wir haben einen Riesenschritt gemacht: Platz zwei, viele gute Ergebnisse, viele Statistiken, die für uns sprechen“, sagt Sportdirektor Sebastian Kehl, und Kapitän Emre Can stellt sich in den Tagen vor dem Jahresauftaktspiel bei Eintracht Frankfurt am Freitagabend (20.30 Uhr,/ bei Sat1 und Sky) die Frage, ob der BVB in seinen Jahren in Dortmund überhaupt schon einmal solch eine starke Hinrunde gespielt habe.Foto dpa Wohin geht’s für den BVB? Berater Sammer, Sport-Geschäftsführer Ricken und der Sprecher der Geschäftsführung Carsten Cramer (o. v. l.) verfolgen die Entwicklung nach Watzkes (r.) Wahl zum Präsidenten mit kritischem Blick.
Die Antwort: Nein, und zwei Spiele stehen sogar noch aus. Zugleich hätten die Dortmunder jedoch bei ungünstigem Verlauf des letzten Spieltages im Jahr 2025 aus dem Champions-League-Bereich der Tabelle fallen können. Der entspannte Zustand ist also höchst fragil. Und dennoch sagt Carsten Cramer, der nach dem Rückzug von Hans-Joachim Watzke die Rolle als Sprecher der Geschäftsführung übernommen hat, im Gespräch mit der F.A.Z.: „Ich habe den Eindruck, dass wir als BVB ganz ordentlich aufgestellt und gut vorbereitet sind für das, was uns in den nächsten Wochen und Monaten erwartet.“
Sportlich hat das Team sich tatsächlich stabilisiert, in der Bundesliga ging überhaupt nur ein Spiel verloren – 1:2 beim FC Bayern. Zwölf Gegentreffer in 15 Partien sind ein Spitzenwert. Dass die Nachrichtenlage trotzdem von Negativschlagzeilen dominiert war, wird daher von manchen Dortmundern als ungerecht empfunden. Kurz vor Weihnachten musste der langjährige Kommunikationschef Sascha Fligge gehen, was zwar nicht unmittelbar mit dem Konfliktherbst zu tun hat, aber es gibt Leute in Dortmund, die auf die Diskrepanz zwischen den Innenansichten und der Außenwahrnehmung hinweisen. „Was in der öffentlichen Bewertung aus meiner Sicht wirklich ein wenig untergeht, ist die Entwicklung, die diese Mannschaft seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres genommen hat“, sagt Kehl.
Dahinter steckt eine Grundsatzfrage, die so offen diskutiert wird wie lange nicht beim BVB: Welche Maßnahmen sind notwendig, um die nächsten Schritte zu machen, um wieder Titel zu gewinnen? Der externe Berater Matthias Sammer hat in den vergangenen Wochen mehrfach darauf hingewiesen, dass die Performance grundsätzlich gut sei, doch für sehr besondere Erfolge müsse der BVB von „‚gut‘ auf ‚sehr gut‘ kommen“. Nun wird intensiv darüber diskutiert, wie der Weg dorthin aussehen könnte. Etwas vage sagt der Klubchef Cramer, es gelte, „die Stärken in den Vordergrund zu stellen und unsere Potentiale noch besser zu entfalten“.
Geklärt werden muss zunächst die Frage, wie viel Raum Sammers Ideen in diesen Plänen finden und wie sich Anpassungen mit alten BVB-Traditionen in Einklang bringen lassen. Im Gespräch mit Cramer wird deutlich, dass eine Suche nach der passenden Balance zwischen tief im Klub verwurzelten Ruhrpottidealen wie Solidarität und Zusammenhalt auf der einen sowie einer von Ehrgeiz angetriebenen Streitkultur auf der anderen Seite begonnen wurde. „Borussia Dortmund ist harmoniesüchtig“, sagt Sammer bei Sky. Konflikte, wie sie durch egozentrische Verhaltensweisen der Angreifer Karim Adeyemi und Serhou Guirassy nach Auswechslungen und der öffentlichen Kritik von Abwehrchef Nico Schlotterbeck an den beiden sichtbar wurden, tun weh. Mancher lasse sich von solchen Vorgängen „erschrecken“, statt die Energie dieser Momente zu nutzen, sagt Sammer. Es ist ein offenes Geheimnis, dass er zuallererst Sebastian Kehl meint.
Einige Beobachter nahmen im Dezember an, dass der Klub die Zusammenarbeit mit Sammer nach diesem Vorstoß beenden würde. Stattdessen hat Sammer seine Positionen in dieser Woche via „Sport Bild“noch einmal bekräftigt. „Borussia Dortmund hat halt Ecken und Kanten, und wir haben noch nie versucht, diese Kanten abzuschleifen“, sagt Cramer. Offenbar begrüßt die Klubführung neuerdings auch öffentlich formulierte, unangenehme Impulse des erfolgsbesessenen Mitarbeiters.
Ob auf dem Weg zu einer verbesserten Leistungskultur weitere personelle Änderungen bevorstehen, ist derzeit noch offen. Klar ist aber, wie kostbar die Arbeit von Niko Kovac im Kontext der Konfliktherde ist. Mit großer Gelassenheit hat sich der Trainer als ausgleichende Kraft zwischen allen Interessen, Verfehlungen und Streitpunkten profiliert. Die lange Serie von großen und kleinen Dramen im Sportlerleben des Karim Adeyemi verarbeitet er – zumindest nach außen – ebenso gelassen wie Schlotterbecks Wutausbruch, den verweigerten Handschlag von Guirassy oder die monatelange Schlammschlacht um den Wechsel Watzkes ins Präsidentenamt.
Mit keiner Silbe hat Kovac andere Menschen im Klub beschädigt. Er hat nie dünnhäutig auf all die Fragen zu sensiblen Punkten reagiert und zugleich eine hervorragende Facharbeit geleistet: „Wir sind aktiver, fitter und haben gleichzeitig deutlich weniger Verletzungen. Darauf können wir aufbauen“, sagt Kehl. Offen ist dennoch, wie attraktiv dieser BVB 2026 für Topspieler sein wird. Nico Schlotterbeck zögert mit einer Vertragsverlängerung. Es gilt als wahrscheinlich, dass er den Klub verlässt. Ob es ein großer Erfolg ist, teure Verträge mit über die Jahre eher wechselhaft spielenden Routiniers wie Julian Brandt und Emre Can zu verlängern, lässt sich kontrovers diskutieren.
Zudem ist es seit der Verpflichtung von Jude Bellingham vor fünfeinhalb Jahren nicht mehr gelungen, ein Talent mit Weltstarpotential an den BVB zu binden. Das Geschäftsmodell mit sehr großen Transfergewinnen funktioniert derzeit in Frankfurt und Leverkusen besser als in Dortmund. „Der Kampf um die Talente wird Jahr für Jahr größer und teurer“, sagt Cramer dazu und versichert: „Trotzdem sind wir nach wie vor eine Topadresse für entwicklungsfähige Spieler aus der ganzen Welt. Auch für den Bereich gilt, dass wir kreativ, mutig und extrem ambitioniert agieren wollen.“In Dortmund wurde erkannt, dass für bessere Leistungen auf dem Platz eine bessere Performance auf allen Ebenen im Klub erforderlich ist, was Sammer mit einem Zitat des früheren Trainers Dettmar Cramer illustriert: „Solange besser möglich ist, ist gut nicht gut genug.“
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Foto dpa - Dove andrà il BVB? Il consulente Matthias Sammer, il direttore sportivo Lars Ricken
e il portavoce della direzione Carsten Cramer (in alto da sinistra) seguono
con occhio critico gli sviluppi dopo l'elezione di Watzke (a destra) a presidente.
Equilibrio precario a Dortmund
Secondo posto, ma ancora fragile: il Borussia Dortmund cerca di raggiungere il livello successivo.
Il dibattito su come raggiungerlo è più aperto che mai.
Quanto spazio trovano le idee di Matthias Sammer in questi piani?
9 gennaio 2026 - Frankfurter Allgemeine Zeitung
di Daniel Theweleit, Dortmund
Secondo posto, ma ancora fragile: il Borussia Dortmund cerca di raggiungere il livello successivo. Le discussioni sono accese. Tra le frasi più usate nel calcio c'è l'immagine dell'“istantanea”, che in realtà dovrebbe servire a combattere un grave pericolo di seduzione. Gli atleti che, confortati dalla sensazione di trovarsi in una buona posizione di partenza, abbassano leggermente la guardia, hanno spesso causato la sconfitta successiva. Al Borussia Dortmund, invece, le forze rilassanti di un momento piacevole sono state godute appieno durante le passate settimane invernali. Quasi nessuna conversazione durante il ritiro a Marbella termina senza un riferimento al secondo posto in classifica, con cui la squadra ha salutato il nuovo anno. Guardare la classifica fa semplicemente troppo bene dopo un tardo autunno di conflitti. “Abbiamo fatto un passo da gigante: secondo posto, tanti buoni risultati, tante statistiche a nostro favore”, afferma il direttore sportivo Sebastian Kehl, mentre il capitano Emre Can, nei giorni che precedono la partita di inizio anno contro l'Eintracht Francoforte venerdì sera (ore 20:30, su Sat1 e Sky), si chiede se il BVB abbia mai giocato un girone di andata così forte nei suoi anni a Dortmund.
La risposta: no, e ci sono ancora due partite da giocare. Allo stesso tempo, però, se l'ultima giornata di campionato del 2025 avesse avuto un esito sfavorevole, il Dortmund avrebbe potuto perdere il posto in Champions League. La situazione di tranquillità è quindi molto fragile. Eppure Carsten Cramer, che dopo il ritiro di Hans-Joachim Watzke ha assunto il ruolo di portavoce della direzione, in un'intervista al F.A.Z. (Frankfurter Allgemeine Zeitung) afferma: “Ho l'impressione che noi del BVB siamo ben posizionati e ben preparati per ciò che ci aspetta nelle prossime settimane e nei prossimi mesi”.
Dal punto di vista sportivo, la squadra si è effettivamente stabilizzata, perdendo solo una partita in Bundesliga, per 1-2 contro il Bayern Monaco. Dodici gol subiti in 15 partite sono un risultato eccellente. Il fatto che le notizie siano state comunque dominate da titoli negativi è quindi considerato ingiusto da alcuni tifosi del Dortmund. Poco prima di Natale, Sascha Fligge, storico responsabile della comunicazione, ha dovuto lasciare l'incarico, cosa che nulla ha a che vedere direttamente con i conflitti dell'autunno, ma ci sono persone a Dortmund che sottolineano la discrepanza tra la visione interna e la percezione esterna. “Ciò che a mio avviso viene un po' trascurato nella valutazione pubblica è la crescita che questa squadra ha avuto dalla primavera dello scorso anno”, afferma Kehl.
Dietro a ciò si nasconde una questione fondamentale, discussa apertamente come non accadeva da tempo al BVB: quali misure sono necessarie per compiere i prossimi passi e tornare a conquistare titoli? Il consulente esterno Matthias Sammer ha sottolineato più volte nelle ultime settimane che le prestazioni sono fondamentalmente buone, ma che per ottenere successi davvero speciali il BVB deve passare da “buono” a “ottimo”. Ora si discute intensamente su come raggiungere questo obiettivo. Il presidente del club, Cramer, afferma in modo piuttosto vago che è necessario “mettere in primo piano i punti di forza e sviluppare ancora meglio il nostro potenziale”.
Innanzi tutto occorre chiarire quanto spazio troveranno le idee di Sammer in questi piani e come sarà possibile conciliare gli adeguamenti con le vecchie tradizioni del BVB. Dall'intervista con Cramer emerge chiaramente che è stata avviata una ricerca dell'equilibrio giusto tra gli ideali della Ruhr profondamente radicati nel club, come la solidarietà e la coesione da un lato, e una cultura del confronto alimentata dall'ambizione dall'altro. “Il Borussia Dortmund è assetato di armonia”, ha affermato Sammer a Sky.de. I conflitti, come quelli emersi dal comportamento egocentrico degli attaccanti Karim Adeyemi e Serhou Guirassy dopo le sostituzioni e dalle critiche pubbliche del difensore Nico Schlotterbeck nei confronti dei due, fanno male. Alcuni si lasciano “spaventare” da tali eventi, invece di sfruttare l'energia di questi momenti, afferma Sammer. È un segreto di Pulcinella che si riferisca innanzi tutto a Sebastian Kehl.
A dicembre alcuni osservatori hanno ipotizzato che il club avrebbe interrotto la collaborazione con Sammer dopo quella uscita. Invece, questa settimana Sammer ha ribadito ancora una volta la propria posizione tramite “Sport Bild”. “Il Borussia Dortmund ha i suoi lati positivi e negativi, e non abbiamo mai cercato di smussare questi lati negativi”, afferma Cramer. A quanto pare, la dirigenza del club accoglie ora anche gli stimoli scomodi espressi pubblicamente dal collaboratore, ossessionato dal successo.
Al momento non è ancora chiaro se siano in programma ulteriori cambiamenti nel personale per migliorare la cultura delle prestazioni. È tuttavia evidente quanto sia prezioso il lavoro di Niko Kovač nel contesto dei focolai di conflitto. Con grande serenità, l'allenatore si è distinto come forza equilibratrice tra tutti gli interessi, le mancanze e i punti controversi. Ha affrontato la lunga serie di drammi grandi e piccoli nella vita sportiva di Karim Adeyemi con la stessa calma, almeno all'esterno, con cui ha affrontato lo scoppio d'ira di Schlotterbeck, il rifiuto di stringere la mano di Guirassy o la battaglia nel fango durata mesi per il passaggio di Watzke alla presidenza.
Kovač non ha mai danneggiato altre persone nel club. Non ha mai reagito in modo permaloso a tutte le domande su punti delicati e allo stesso tempo ha svolto un lavoro eccellente: “Siamo più attivi, più in forma e allo stesso tempo abbiamo molti meno infortuni. Su questo possiamo costruire”, dice Kehl. Resta comunque da vedere quanto sarà attraente questo BVB nel 2026 per i migliori giocatori. Nico Schlotterbeck esita a rinnovare il contratto. È probabile che lasci il club. Se sia un grande successo rinnovare contratti costosi con veterani dal rendimento piuttosto altalenante nel corso degli anni come Julian Brandt ed Emre Can è oggetto di discussioni controverse.
Inoltre, dall'ingaggio di Jude Bellingham cinque anni e mezzo fa, il BVB non è più riuscito ad assicurarsi talenti con un potenziale da star mondiale. Il modello di business basato su ingenti guadagni dai trasferimenti funziona attualmente meglio a Francoforte e Leverkusen che a Dortmund. “La lotta per i talenti diventa ogni anno più accesa e costosa”, afferma Cramer, assicurando però: "Ciononostante, continuiamo a essere una destinazione privilegiata per i giocatori con potenziale di crescita provenienti da tutto il mondo. Anche in questo settore vogliamo agire in modo creativo, coraggioso ed estremamente ambizioso“. A Dortmund si è capito che per ottenere risultati migliori in campo è necessario migliorare le prestazioni a tutti i livelli del club, come illustra Sammer con una citazione dell'ex allenatore Dettmar Cramer: ”Finché è possibile migliorare, buono non è abbastanza".
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