Es geht um alles – und viel mehr!
Der HSV kann, St. Pauli muss
St. Pauli empfängt den HSV: Existenzkampf, Chancen, Pyro – alles, was Sie über das 113. Hamburg-Derby wissen müssen
23 Jan 2026 - Hamburger Morgenpost
FREDERIK AHRENS - f.ahrens@mopo.de
Die Ausgangslage vor dem 113. Hamburger Stadtderby unterscheidet sich von vielen Vorgängern – und das darf der FC St. Pauli durchaus als Kompliment verstehen. Der Kiezklub ist längst nicht mehr nur der kleine, ab und zu mal aufmuckende Stadtnachbar des einst so erfolgreichen HSV. Sportlich hatten die Boys in Brown die Rothosen zwei Jahre lang überflügelt. Inzwischen hat sich das Blatt wieder gewendet, von alten Machtverhältnissen sind beide Hamburger Klubs aber weit entfernt. Man spielt in einer Liga. Wortwörtlich. Und das erhöht die Brisanz dieses Duells, in dem es um viel mehr geht als um die Frage, wem die Stadt gehört. Es geht um die Frage, wer in diese Liga gehört. Unabhängig vom Ausgang dürfte die Antwort der meisten Fans und Experten im Land lauten: beide. Tatsächlich sind beide Hamburger Klubs aus neutraler Sicht ein Gewinn für die Bundesliga. HSV und St. Pauli sorgen für stets volle Stadien und starke TV-Quoten. Für das direkte Duell am Millerntor hätte man weit über 100.000 Karten verkaufen können. Journalisten reisen aus den USA, Israel und zahlreichen weiteren Ländern an. FußballDeutschland ist elektrisiert.
Da allerdings diese Romantik bei der Verteilung der TV-Gelder wenig interessiert (was schlecht ist) und bei der Verteilung von Punkten gar nicht (was gut ist), gilt vor diesem Derby: Der HSV kann, St. Pauli muss. Für die Braun-Weißen ist es angesichts von Platz 18 fast Pflicht, ein Heimspiel gegen einen direkten Konkurrenten wie den HSV zu gewinnen. Dass das enorm schwer wird, wissen sie bei
St. Pauli. Der HSV tritt in einer ganz anderen Verfassung als im Hinspiel an. Die späten Verpflichtungen von Luka Vuskovic, Albert Sambi Lokonga und Fábio Vieira haben die Mannschaft von Trainer Merlin Polzin auf ein anderes Level gehoben, woran der Coach einen gehörigen Anteil hat. Die Weiterentwicklung des jüngsten Bundesliga-Trainers ist beeindruckend, weil er nach dem Aufstieg die richtigen Schlüsse gezogen und Rückschläge nicht überbewertet hat. Und noch etwas ist auffällig vor diesem Derby: der gegenseitige Respekt. Während der eine oder andere Trainer in der Vergangenheit versuchte, durch eine Herabwürdigung des Stadtnachbarn billigen Applaus in den eigenen Reihen einzuheimsen, ist davon aktuell nichts zu spüren. Alexander Blessin und Polzin scheinen zu souverän und eloquent für derlei Attacken zu sein. Es ist ein Verhalten, das dem Zeitgeist widerspricht – und gerade deshalb wohltuend ist.
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