Fasten und Fußball spielen
Unions Stürmer Ilyas Ansah (mit Ball) fastet ebenso
wie Teamkollege Livan Burcu während des Ramadan.
Zwei Profis des 1. FC Union halten den Ramadan ein. Ein Vorfall in England zeigt, dass Respekt und Akzeptanz dafür noch nicht selbstverständlich sind.
"Es fehlt Energie und Kraft im Training, das merkt man schon.
Man hat auch ein bisschen Kopfschmerzen,
denn der Kaffee morgens fehlt."
- Semih Sahin, Spieler des 1. FC Kaiserslautern
7 Mar 2026 - Der Tagesspiegel
Von Kit Holden
Die Anstoßzeit 17.30 Uhr am Sonntag ist nicht unbedingt beliebt. Für Ilyas Ansah und Livan Burcu wird sie jedoch an diesem Wochenende beim Heimspiel gegen Werder Bremen wohl zum kleinen Segen. Die zwei Stürmer des 1. FC Union sind beide gläubige Muslime, die aktuell den Ramadan einhalten. Dank der späten Anstoßzeit dürfte die Sonne schon vor der Halbzeitpause untergehen. Dann können die beiden schnell etwas zu sich nehmen.
Während des Fastenmonats verzichten Muslime traditionell zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf jegliches Essen und Trinken. Auch Wasser ist bis zum Fastenbrechen bei der abendlichen Iftar-Mahlzeit nicht erlaubt. Für Profisportler, deren Leistungen sehr stark von der richtigen Ernährung, Hydration und Regeneration abhängen, stellt das eine besondere Herausforderung dar.
Im Einzelsport ist die Trainingsanpassung einfacher
„Wir besprechen mit den Spielern, was man vor dem Sonnenaufgang und danach braucht. Da sind wir in Absprache auch mit allen drumherum“, sagte Unions Trainer Steffen Baumgart unlängst. „Was die Religion angeht, finde ich es wichtig, dass sie auch ausgelebt werden kann und wir den Spielern die Unterstützung geben, die möglich ist.“
Im Profifußball, wo es in allen Top-Ligen Europas zahlreiche muslimische Spieler gibt, herrscht seit einiger Zeit eine höhere Sensibilität für die Thematik. Auch der DFB bietet auf seiner Webseite eine detaillierte Hilfestellung für Fußballer, die während des Ramadan fasten. Neben Tipps zur Mahlzeitplanung und Maximierung der Wasserretention wird dort auch auf häufige Fehler verwiesen, wie etwa der Verzehr von salzigen Speisen vor Sonnenaufgang oder von zu großen Mengen beim Iftar, dem Fastenbrechen nach Sonnenuntergang.
Als Mannschaftssportler sind Fußballer aber besonders gefordert. In Einzelsportarten ist es einfacher, das Trainingsprogramm anzupassen. Der dreifache Hochsprung-Weltmeister Mutaz Essa Barshim aus Katar trainiert zu Ramadan meistens abends nach dem Fastenbrechen.
Die Fußballer hingegen sind viel enger an den Terminkalender gebunden. In diesem Jahr fällt der Ramadan in die Zeit vom 17. Februar bis 19. März: ein Zeitraum mit vielen Spieltagen. „Es fehlt Energie und Kraft im Training, das merkt man schon. Man hat auch ein bisschen Kopfschmerzen, denn der Kaffee morgens fehlt“, sagte Semih Sahin vom 1. FC Kaiserslautern.
Dabei gibt es auch Ausnahmen und Erleichterungen für Profisportler. 2010 holte der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) in Koordination mit DFB und DFL ein theologisches Rechtsgutachten ein von der Al-Azhar in Kairo, einer der führenden islamischen Autoritäten weltweit. Demnach können Spieler für ihren Beruf das Fasten brechen und die Fastentage später nachholen.
Das bleibt jedoch eine persönliche Entscheidung. Es passiert nicht selten, dass ein Profi am Spieltag erst mitten in der Partie das Fasten bricht. In der Bundesliga wird das häufig informell vom Schiedsrichter geregelt. In der englischen Premier League gibt es offizielle Unterbrechungen, die vorher terminiert und auf den Bildschirmen im Stadion kommuniziert werden. Solche Pausen dauern meist nur eine oder zwei Minuten, damit Spieler kurz ein isotonisches Getränk schlucken, oder Vitamine einnehmen können: eine praktische Lösung, die oft deutlich schneller funktioniert als etwa die Unterbrechungen für VAR-Entscheidungen.
Buhrufe in der Premier League
Dennoch kommt es in einigen Fällen zu hässlichen Reaktionen. Am vorigen Wochenende waren bei einer solchen Unterbrechung beim Spiel zwischen Leeds United und Manchester City laute Buhrufe von den Rängen zu vernehmen. Dafür gab es heftige Kritik – unter anderem von City-Trainer Pep Guardiola, der nach dem Spiel „Respekt für Religion und Vielfalt“forderte.
Nach vielen Jahren, in denen der Ramadan im europäischen Fußball immer sichtbarer wurde, war der Vorfall in Leeds ein kleiner Schritt zurück. Wie die britische Antidiskriminierungsorganisation „Kick it Out“in einem Statement betonte, soll er auch als Warnung gelten. Denn er zeige, „wie weit der Fußball noch zu gehen hat in Sachen Ausbildung und Akzeptanz“.
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