Maßstab FC Augsburg
FOTO: MORITZ MÜLLER
Cedric Itten (l.) und Florent Muslija beim
Torjubel im Fortuna-Spiel gegen Bochum.
Nach teils energielosen Auftritten in der Hinrunde haben die FortunaSpieler ihre Fans beim Sieg gegen den VfL Bochum mal wieder mitgerissen. Auch wenn es sportlich nicht so attraktiv war, zählt der Erfolg und erinnert an das derzeit formstarke Bundesliga-Team
5 Mar 2026 - Rheinische Post
VON DANIEL THIEL
Ziemlich genau zwei Stunden nach Abpfiff in der Düsseldorfer Arena und dem erlösenden Jubel der Fortuna-Fans kam es zu einer Duplizität der Ereignisse: Auch beim Freitagsspiel der Bundesliga zwischen dem FC Augsburg und dem 1. FC Köln mussten die Heimfans bis zur letzten Minute zittern. Sekunden vor dem Schlusspfiff bejubelten die Augsburger nicht nur den Treffer zum 2:0 und drei Punkte, sondern damit mit ziemlicher Sicherheit auch den Klassenerhalt. Davon ist Fortuna noch ein gutes Stück entfernt. Allerdings sind zentrale Parallelen zwischen der Entwicklung der Düsseldorfer und der Augsburger am Freitag Mutmacher für die Anhänger und die Verantwortlichen der Rheinländer.
An die erste Parallele werden sich alle an den beiden Standorten alles andere als gern erinnern – einen missratenen Saisonstart, frühe Abstiegssorgen und eine daraus resultierende Trainer-Entlassung im Herbst. Markus Anfang geht am Samstag beim Spiel in Nürnberg in sein 17. Ligaspiel als Fortuna-Trainer, Manuel Baum ist nach der Trennung von Sandro Wagner nunmehr seit zwölf Partien im Oberhaus im Amt.
Die Bilanz des einstigen Schalke-Trainers – in seiner mittlerweile dritten Amtszeit beim FCA – ist beeindruckend: 21 der 31 Punkte holte Augsburg unter Baum. Damit beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz mittlerweile neun Punkte. Für diese Punkteausbeute entschied sich Baum wahrlich nicht dazu, den Fußball in Augsburg zu revolutionieren. Die riskanten Ideen kamen vielmehr von seinem Vorgänger Wagner – ohne Erfolg. Eine Eigenschaft der Baum-Mannschaft, die beim Erfolg gegen die Kölner einmal mehr herausstach, war der ungebremste Wille der Fuggerstädter, über die kompletten 90 Minuten intensiv gegen den Ball zu arbeiten. So kamen die Kölner kaum dazu, ihr Spiel zu entfalten – die häufig thematisierten „Basics“griffen.
Diese Intensität brachte Fortuna in den vergangenen Wochen auch immer häufiger auf den Rasen, besonders beim wichtigen 2:1 gegen Bochum in der Arena. Exemplarisch waren da drei Aktionen der beiden Torschützen aus dem Bochum-Spiel, Cedric Itten und Florent Muslija, die nicht nur unter Beweis stellten, dass sie die wichtigsten Offensivspieler im Kader sind. Bezeichnend: Alle Aktionen erfolgten in der Nachspielzeit. Fortuna arbeitete bis zum Ende und es zahlte sich aus – mit drei wichtigen Punkten.
Schon in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit war es Muslija, der seine Cleverness nach einer hektischen Spielphase gekonnt einsetzte. In ungewohnter Rolle, als einer der am tiefsten positionierten Feldspieler, hielt er den Ball einfach über eine knappe halbe Minute am Fuß, als er merkte, dass er nicht angelaufen wird. Die Chance eines etwaigen letzten Gegenstoßes der Bochumer vor dem Halbzeitpfiff wurde so im Keim erstickt. Nach dem anschließenden langen Ball von Florian Kastenmeier erfolgte der Pausenpfiff.
In der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit stand Muslija, AushilfsSchienenspieler gegen den VfL, dann noch tiefer in der eigenen Hälfte – bei einer Bochumer Ecke half er im eigenen Strafraum aus. Auch da stellte der Kreativspieler seine Cleverness unter Beweis: Einen ungestümen Körpereinsatz seines Gegenspielers nahm Muslija dankend an und holte einen unstrittigen Freistoß für Fortuna heraus. Wie bereits 45 Minuten gab das den Hausherren die Möglichkeit, sich zu sortieren – und nahm etwas Zeit von der Uhr.
Als die Bochumer dann noch einmal einen Angriffsversuch starteten, stellte Itten das unter Beweis, was auch die Augsburger in der Phase unter Baum starkmacht: Auch nach der 90. Minute lief er den Gegenspielern im Vollsprint hinterher – bis tief in die eigene Hälfte. Gerne wird da von Experten von den „Basics“gesprochen, die im Kampf um den Klassenerhalt unerlässlich seien. Dass es genauso funktionieren kann, stellten die Augsburger zuletzt unter Beweis. Wieder zeigte Muslija gegen Bochum, dass Abstiegskampf auch mit einer sehenswerten BNote geht – mit seinem Traumtor zum zwischenzeitlichen 2:0. Ein Element im Spiel von Itten, Muslija und ihren Teamkollegen war aber der uneingeschränkte Einsatz und die Bereitschaft gegen den Ball und das bis tief in die Nachspielzeit.
In Augsburg haperte es während der kurzen Wagner-Amtszeit gerade bei Kreativspieler Alexis Claude-Maurice, dem FCA-Äquivalent zu Muslija, an dieser Bereitschaft. Auch da dürften bei Fortuna-Fans Erinnerungen an die schwachen Auftritte, in denen genau das fehlte, aufkommen. Der inzwischen wie verwandelt aufspielende Claude-Maurice lief die Kölner auch noch in der Schlussphase im höchsten Tempo an und belohnte sich mit dem 2:0 in der letzten Aktion der Partie. Bis zum ganz großen Jubel in der Arena, bei dem nicht nur ein Heimsieg, sondern auch ein monumentaler Schritt in Richtung Klassenerhalt gefeiert werden kann, wird es in Düsseldorf noch dauern. Die Augsburger haben nun aber über Wochen und Monate gezeigt, wie es gehen kann. Die aus FortunaSicht noch bessere Nachricht: Mit einigen Parallelen zum FCA-Stil ist dies den Düsseldorfern gegen Bochum auch schon gelungen – mit vorbildlichem Einsatz wie die möglichen Vorbilder.
Commenti
Posta un commento