Die späte Erfüllung eines Traums?


Rani Khedira trifft in dieser Saison so 
häufig wie noch nie in einer Bundesliga-Saison.

Unions Rani Khedira könnte bald für Tunesien spielen, auch bei der WM. Ein Zeichen des Wandels – für ihn und den Fußball.

28 Feb 2026 - Der Tagesspiegel
Von Kit Holden

Es gab mal Zeiten, da waren Tore von Rani Khedira ungefähr so oft zu sehen wie eine totale Sonnenfinsternis. Als er Union etwa 2023 am letzten Bundesliga-Spieltag in die Champions League schoss, war das damals sein drittes Tor in vier Saisons.

Wie sich die Zeiten ändern. Khediras Siegtor gegen Bayer Leverkusen am vergangenen Wochenende war sein fünfter Treffer in der laufenden Saison. In seiner gesamten Laufbahn hat er in einer Spielzeit noch nie so oft getroffen. Mittlerweile würde es keinen mehr überraschen, wenn er am kommenden Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr/Sky) schon wieder mit dem Ball das Netz beult.

Tunesiens Co-Trainer war in der Alten Försterei

Die Renaissance als Torschütze ist aber nicht die einzige große Wende, die Khedira gerade im Spätsommer seiner Karriere durchlebt. Zuletzt haben sich die Anzeichen verdichtet, dass der 32-Jährige bald tunesischer Nationalspieler werden könnte. Am Samstag war der CoTrainer Tunesiens, Michael Hefele, im Stadion an der Alten Försterei vor Ort, um ihn zu beobachten.

Ganz unerwartet kommt das nicht. Durch seinen tunesischen Vater besaß Khedira schon immer die doppelte Staatsbürgerschaft. Anders als sein Weltmeister-Bruder Sami wurde er bislang noch nie vom DFB nominiert. Die Option, für Tunesien zu spielen, hat Khedira trotzdem nie gezogen. Kurz vor der WM 2018 sagte er sogar eine direkte Anfrage ab – und zwar mit einer klaren Begründung. „Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, ich spreche nur Deutsch. Das war ausschlaggebend“, sagte er damals. „Mein Spiel ist von Kommunikation geprägt, von Anweisungen und taktischen Dingen. Die Zeit ist zu knapp, das ist zu schwierig. Ich kann dem Team nicht mit meiner besten Leistung helfen.“Ob sich seine Derdja- oder Französischkenntnisse seitdem verbessert haben, ist unklar. Die Entscheidung zeigt dennoch, wie viel sich seit 2018 verändert hat. Sowohl bei Khedira selbst als auch in der Fußballwelt.

Falls er tatsächlich bald für Tunesien aufläuft, wäre Khedira einer von mehreren Union-Spielern, die mit dem Land ihrer Vorfahren auf ein spätes Ticket zur WM im kommenden Sommer hoffen. So strebt auch Danilho Doekhi einen Verbandswechsel zum Play-offTeilnehmer Surinam an, während Derrick Köhn im November sein Debüt für Ghana gab.

Rekrutierung aus der Diaspora

Das spiegelt auch einen größeren Trend wider, wonach Fußballnationen aus dem globalen Süden immer mehr aus ihrer Diaspora rekrutieren. Beim Afrika-Cup im Dezember und Januar wurden etwa fast ein Drittel aller teilnehmenden Spieler außerhalb des afrikanischen Kontinents geboren. Das ist an sich natürlich kein neues Phänomen: schon seit Jahrzehnten stehen Tausende von Spielern weltweit vor der Wahl zwischen zwei oder mehr Identitäten. In den letzten Jahren haben aber immer mehr Fußballnationen das zu einer Stärke gemacht. Das merkt man insbesondere an den jüngsten Erfolgen von kleinen Nationen wie Kap Verde oder Curacao.

Doch auch in größeren Ländern wie Tunesien wurde es bunter. Bei der WM 2018 wurden alle tunesischen Spieler entweder in Tunesien oder in Frankreich geboren. In diesem Winter gab es im tunesischen Afrika-Cup-Kader Spieler mit Geburtsorten in sechs verschiedenen Ländern.

Die letzte Chance, WM-Luft zu schnuppern

Wichtiger für Unions Vizekapitän dürfte es aber sein, dass sich seine persönliche Situation verändert hat. Als er Tunesien 2018 absagte, war er erst 24 Jahre alt und konnte sich noch Hoffnungen machen, eines Tages für Deutschland aufzulaufen. Wäre es nach Unions damaligem Manager Oliver Ruhnert gegangen, hätte Khedira seine Chance im DFB-Trikot auch längst schon bekommen. „Rani spielt seit zwei Jahren auf einem unglaublich hohen Niveau und trotzdem wird er nicht einmal berufen. Das finde ich schon verwunderlich“, beschwerte sich Ruhnert 2023 in einem „Bild“-Interview.

Doch mittlerweile ist die Lage anders. Khedira ist 32, die Chance auf eine DFB-Nominierung ist wohl endgültig verflogen. Der bevorstehende Wechsel zum tunesischen Verband ist damit wohl seine letzte Chance, WM-Luft schnuppern zu können.

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5 Tore
hat Rani Khedira in dieser Saison für Union bereits erzielt

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