Eine Danksagung an den Fifa-Präsidenten
Fifa-Boss Infantino bewahrt auch
in schwierigen Situationen stets die Contenance.
Zehn Jahre ist er jetzt Chef des Weltverbandes Fifa. Zeit für eine Verneigung vor Gianni Infantino, denn keiner weiß besser, wohin der Ball zu rollen hat.
"Heute fühle ich mich arabisch,
schwul und behindert."
- Gianni Infantino, seit zehn Jahren
Präsident des Fußballweltverbandes Fifa
28 Feb 2026 - Der Tagesspiegel
Jörg Leopold
Lieber Gianni, seit zehn Jahren bist Du jetzt schon Präsident des Weltfußballverbands Fifa. Und was hast Du in dieser Zeit alles erreicht! Erst eine WM in Russland und auch, wenn das jetzt schon eine Weile her ist, wünschen wir Dir doch, dass Du inzwischen einen Schirmhalter hast wie damals Dein Kumpel Wladimir Putin. Sieht doch einfach blöd aus, wenn man so im Regen steht.
Die WM damals war aber natürlich ein voller Erfolg. Ein bisschen schade ist, dass Du für die Vergabe des Turniers an Russland und vier Jahre später an Katar gar nicht verantwortlich warst. Aus heutiger Sicht hätte das so gut zu Dir gepasst und Deine Vita noch beeindruckender wirken lassen.
Aber so etwas weiß heute keiner mehr. Und der Blatter-Sepp, der Dich jetzt „Diktator“oder „Sonnenkönig“nennt, soll mal lieber ruhig sein. Im Gegensatz zu Dir hat der wirklich Dreck am Stecken und die Fußballwelt kann sich glücklich schätzen, dass Du damals sein Nachfolger geworden bist. Allein die vielen Sprachen, die Du sprichst, und in denen Du dann derart einfühlsame Sätze formulierst wie diesen hier: „Heute fühle ich mich arabisch, schwul und behindert.“
Toll ist auch, wie sehr Du Dich dafür einsetzt, dass es allen Menschen auf der Welt dank Deines Fußballverbandes besser gehen soll. Überall werden Plätze gebaut, auf denen kleine Ronaldos und Messis spielen können. Dafür muss man erst einmal das Geld locker machen, das andere verdient haben.
Genau diese Leute sind es dann, die sich über Menschenrechtsverletzungen wie damals auf den Baustellen in Katar beklagen. Wir wünschen Dir zu Deinem Jubiläum, dass Du gerade aus Deutschland mehr Zuspruch erhältst. Zum Glück hast Du hier auch echte Freunde wie Karl-Heinz Rummenigge, der Dir zu Recht „ein Fußballherz“bescheinigt.
Warum auch sonst solltest Du solche tollen Turniere wie die Klub-WM überhaupt erfunden haben? Man sollte auch nicht vergessen, dass Du den Fifa World Cup auf 48 teilnehmende Nationen aufgestockt hast, damit endlich auch Länder wie Katar sich mal sportlich qualifizieren können. Klar, gab es auch dazu wieder Kritik aus Europa.
Aber Du denkst einfach globaler und langfristiger. Deswegen wünschen wir Dir, dass Du im nächsten Jahr in Deinem Amt bestätigt wirst und noch eine Weile weitermachst als Präsident. Ein bisschen Dankbarkeit kann man schon erwarten, vielleicht kriegst Du dieses Mal dann auch den Bischt, der nach dem Weltmeisterschaftsfinale 2022 eigentlich Dir zugestanden hätte.
Jedenfalls wären 100 Jahre Fußball-WM 2030 ohne Dich, lieber Gianni, nicht vorstellbar. Ein Turnier auf dann drei Kontinenten und mit sechs Gastgebern, auf die Idee wäre doch außer Dir niemand gekommen. Hoffentlich kannst Du Dich auch mit Deinem grandiosen Vorschlag durchsetzen, die Jubiläums-WM dann mit 64 Mannschaften auszutragen.
Aber jetzt kommt ja erst einmal die WM in diesem Sommer. Es wird ganz sicher das beste, größte und einzigartigste Turnier in der Fußballgeschichte. Und dass Du dabei auch an die weniger zahlungskräftigen Fans gedacht und extra interveniert hast, um auch noch ein paar nicht ganz so teure Tickets auf den Markt zu bringen, treibt einem fast die Tränen der Rührung ins Auge.
Du bist viel zu bescheiden
Einen Kritikpunkt gibt es allerdings doch. Du weißt schon, neulich, diese WM-Auslosung. Das war ein bisschen unangemessen. Dieser Friedenspreis für Donald Trump, das alles war etwas schräg. Warum hast Du ihm den Pokal nicht selbst überreicht? So von König zu König? Vermutlich, weil Du wie immer, einfach zu bescheiden warst. Dabei regierst Du mit dem Fußball in mehr als 200 Ländern und Trump nur die Vereinigten Staaten.
Andererseits muss man immer vorsichtig sein und Du brauchst neben Deiner Zweitwohnung in Katar bestimmt auch eine Drittwohnung in den USA. Da hat ein bisschen Höflichkeit noch nie geschadet. Jedenfalls ist Dir auch bei diesem Unterfangen viel Erfolg zu wünschen.
Und bitte: Lass Dir von außen nicht erzählen, dass der Fußball nur noch eine reine Kommerzveranstaltung ist. Warum sonst hättest Du einer aufstrebenden Sportnation wie Saudi-Arabien die Ausrichtung der WM 2034 überlassen sollen? Intern könnte das der Fifa sogar Geld sparen, weil Du ja ganz in der Nähe diese Wohnung in Katar hast. Da soll noch mal einer von Korruption oder Vetternwirtschaft sprechen.
Die Bilder aus den USA, Mexiko und Kanada im Sommer werden jedenfalls zeigen, wie gut es um den Fußball auf diesem Planeten bestellt ist. Nie war dieser Sport populärer! Begeisterte Menschen in den Stadien, Millionen, ach was Milliarden – von Fernsehzuschauern weltweit! Und wunderbare Spiele, drei allein mit Katar.
Lieber Gianni, all das ist Dein Verdienst. Der Fußball ist dank Dir in den vergangenen zehn Jahren noch ein Stückchen herrlicher geworden. Spätestens, wenn es beim WM-Finale 2026 wieder regnen sollte, wird man hoffentlich sehen, wem das wirklich zu verdanken ist.
Jörg Leopold
ist ein großer Fan von Gianni Infantino und wünscht ihm für mindestens weitere zehn Jahre als Fifa-Präsident alles Gute.
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