„Fußballfrieden“– Als Didier Drogba die Waffen zum Schweigen brachte
20 Jun 2026 Der Tagesspiegel
(bp)
Die Fußball-Nationalmannschaft der Elfenbeinküste hat eine besondere Beziehung zu Deutschland. Zum ersten Mal in seiner Geschichte hatte sich das afrikanische Land vor 20 Jahren für eine Weltmeisterschaft qualifizieren können, die 2006 ja in der Bundesrepublik ausgetragen wurde. Doch das afrikanische Land war tief zerrüttet. Der muslimisch geprägte Norden und der christliche Süden standen sich seit 2002 in einem Bürgerkrieg gegenüber. Auslöser waren ethnisch instrumentalisierte Spannungen und Auseinandersetzungen um wirtschaftliche Ressourcen. Und die Leistungen des Teams um Superstar Didier Drogba standen im Schatten dieses massiven Konflikts.
Der Stürmer, seit 2004 beim FC Chelsea, genoss – im Gegensatz zu den Politikern – Anerkennung in allen Teilen des Landes. Und nutzte diese Aura, um die Waffen auf beiden Seiten verstummen zu lassen. Als „Fußballfrieden“ging dieser Prozess in die Geschichte ein.
Am 8. Oktober, als sich das Land mit einem 3:1 gegen den Sudan für das Turnier in Deutschland qualifiziert hatte, kniete Drogba in der Kabine nieder, woraufhin es ihm alle Teamkollegen gleichtaten. Anschließend richtete er in einem präsidialen Ton folgende Worte an seine Landsleute: „Heute flehen wir euch auf unseren Knien an: Vergebt einander! Lasst nicht zu, dass unser reiches Land durch einen Krieg verwüstet wird. Ich bitte euch: Legt die Waffen nieder. Organisiert Wahlen und alles wird besser.“Anschließend begannen Drogba und seine Mitspieler zu singen und zu tanzen.
Bei der WM in Deutschland scheiterten die Ivorer in der starken Gruppe mit Argentinien, den Niederlanden und Serbien-Montenegro zwar bereits in der Vorrunde. Aber Drogbas Appell hat eine neue Phase der Annäherung ausgelöst, die 2007 zum Ende des Bürgerkrieges führte. Im Juni 2007 spielte die Elfenbeinküste – so war die Abmachung – in Bouaké, der Rebellenhochburg im Norden. Das Spiel gegen Madagaskar endete 5:0. Zwei Monate später kam Präsident Laurent Gbagbo hierher, um in diesem Stadion mit Rebellenführer Soro Waffen zu verbrennen. Dieser Moment gilt als offizieller Schlusspunkt des Bürgerkrieges.
Nach der Wahl 2010 kam es erneut zu Unruhen, weil die alten Konfliktlinien wieder aufbrachen. Die Machtübergabe Gbagbos an Alassane Ouattara im April 2011 gilt als Schlusspunkt dieser Krise.

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