Die Situation um Dompé bleibt spannend
13 Mar 2026 - Hamburger Morgenpost
SIMON BRAASCH simon.braasch@mopo.de
Als Jean-Luc Dompé in Wolfsburg seinen Strafstoß zum 2:1 verwandelte und mit seinen Kollegen jubelte, schloss sich ein Kreis. Das war der Moment, den sowohl der Franzose als auch die Fans herbeigesehnt hatten, nachdem Dompés HSV-Welt sechs Wochen zuvor aus den Fugen geraten war. Dennoch, trotz aller Jubelszenen: Die Angelegenheit rund um den Flügelstürmer bleibt spannend.
Zur Erinnerung: Ende Januar war Dompé mit einem Alkoholwert von 1,34 Promille im Blut von der Polizei gestoppt worden, hatte seinen Führerschein verloren und war anschließend verbotenerweise mit einem E-Scooter nach Hause gefahren. Das alles, nachdem er bereits Anfang 2023 in einen Unfall mit Fahrerflucht verwickelt gewesen war. Der HSV brummte seinem Profi die Vereins-Rekordstrafe von 100.000 Euro auf und – weitaus schmerzlicher für Dompé – strich ihn aus dem Kader. Als der Publikumsliebling wieder nominiert wurde, war er Ersatzspieler mit Kurzeinsätzen. Bis Wolfsburg. Ob Dompé die Chance zur erneuten Rehabilitation beim HSV verdient hatte, kann diskutiert werden und soll nicht Gegenstand dieses Kommentars sein. Vielmehr stellt sich die Frage: Was hat er gelernt? Und wie nachhaltig ist dieser Lerneffekt?
Was die HSV-Verantwortlichen sehen und spüren wollten, war Reue. Tatsächlich wirkte Dompé nach dem Vorfall zunächst manchmal wie unsichtbar und hielt sich merklich zurück. Wer aber genau hinsah, erkannte, wie schnell es in ihm brodelte. Ein merkwürdiger Instagram-Post („Sie werden sich an dich erinnern, wenn sie erkennen, dass es niemanden wie dich gibt“) deutete nicht zwingend darauf hin, dass Dompé verstand, warum er weniger Spielzeit bekam. Auch beim Aufwärmen in Halbzeitpausen versprühte er mitunter augenscheinlich nicht die ganz große Energie. Vielleicht verständlich. Vielleicht aber auch ein Zeichen dafür, dass sich Dompés Verständnis für seine Situation in Grenzen hielt. Wolfsburg kann ein Wendepunkt gewesen sein. Und doch werden die HSV-Offiziellen genau beobachten, wie sich Dompé künftig verhalten wird und ob er auch in schlechteren Zeiten zu schätzen weiß, wie sehr der Verein zu ihm stand. Deshalb bleibt es rund um ihn spannend. Die Bringschuld ist noch nicht abgegolten.

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